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Natur & Garten

Unkräuter im Garten

Im Laufe der Zeit ist der Nutzen vieler Wildkräuter, wie zum Beispiel Brennnessel, Beifuß, Gundermann, Wegerich, Schachtelhalm, Gänseblümchen, Vogelmiere und Löwenzahn nicht nur in Vergessenheit geraten, vielmehr ärgern wir uns über ihr Auftreten in unseren Gärten. Betrachtet man sie näher, ist man von ihrer Leistungsfähigkeit überrascht und versteht, dass die Bezeichnung „Unkraut“ zu Unrecht besteht. … Weiterlesen

Im Laufe der Zeit ist der Nutzen vieler Wildkräuter, wie zum Beispiel Brennnessel, Beifuß, Gundermann, Wegerich, Schachtelhalm, Gänseblümchen, Vogelmiere und Löwenzahn nicht nur in Vergessenheit geraten, vielmehr ärgern wir uns über ihr Auftreten in unseren Gärten. Betrachtet man sie näher, ist man von ihrer Leistungsfähigkeit überrascht und versteht, dass die Bezeichnung „Unkraut“ zu Unrecht besteht.
Neben ihrer Fähigkeit, Böden zu ernähren und wiederzubeleben, finden viele Wildkräuter in der Feinschmeckerküche Verwendung. Darüber hinaus enthalten Wildkräuter wertvolle Inhaltsstoffe, die nicht zuletzt auch unserem Körper helfen, gesund zu bleiben. Näheres Wissen über Wildkräuter lässt uns diese mit anderen Augen sehen und hilft uns dabei, diese schätzen und verwenden zu lernen.

Unkraut in Rasen und Beet als Helfer im Garten?

Die Eigenschaften von Wildkräutern sind vielfältig. Sie dienen zur Ernährung und Wiederbelebung des Bodens und verbessern unmerklich schwache Böden. Sie treten dann auf, wenn sie vom Boden „gebraucht“ werden. Samen von bestimmten Wildkräutern können jahrelang im Boden ruhen, keimen trotz scheinbar guter Bedingungen aber erst dann, wenn sie „gebraucht“ werden.

Die tiefreichenden Wurzeln mancher Wildkräuter bringen wichtige Elemente an die Oberfläche, die außerhalb der Reichweite der meisten kultivierten Feldfrüchte liegen. So pflanzten zum Beispiel Indianer zur Erhöhung der Ernteerträge Wildkräuter zwischen ihre Feldfrüchte. Entlang der langen Wurzeln von Wildkräutern wandert Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten nach oben. In Trockenperioden kann man dies gut daran erkennen, dass eine Wiese in der Regel länger grün bleibt als eine Rasenfläche.

Wildkräuter lösen Verdichtungen im Boden auf und vermindern dessen Erosion. Durch den Kreislauf von Wachsen und Vergehen erhöhen sie den Gehalt an organischer Substanz und Nährstoffen im Boden.

Viele Unkräuter gedeihen in unausgewogenen Bodenzuständen, also im kranken Boden, und sorgen dafür, dass der Boden wieder ins Gleichgewicht kommt. Da dies allerdings sehr lange Zeiträume in Anspruch nehmen kann, ist dieser Vorgang nicht nur schwer zu erkennen, sondern passt auch nicht mit unseren Zielvorstellungen von einem z.B. jetzt unkrautfreien Rasen zusammen. Unkräuter im Rasen oder Beet deuten demnach auf Böden hin, die nicht im Gleichgewicht sind und die in diesem Zustand für das entsprechende Unkraut besser geeignet sind als die Pflanzen, die wir dort haben wollen. Am massenhaften Auftreten von bestimmten Wildkräutern kann man ablesen, woran der Boden krankt und dem Boden entsprechend helfen.

Last but not least sind Wildkräuter auch Heimat und Nahrung für unzählige Lebewesen.

Wildkräuter in der Feinschmeckerküche und als Heilpflanzen

Viele der im Frühjahr austreibenden Gartenunkräuter sind gesund und lassen sich in der Küche verwenden. In den zarten Blättchen von Brennnesseln, Löwenzahn, Vogelmiere und anderen stecken Spurenelemente, Vitamine und Vitalstoffe, die mit ihrer energetisierenden Wirkung unsere Gesundheit fördern und die in vielen unserer schnell kultivierten Pflanzen nicht mehr enthalten sind. Um Ihnen einen kleinen Eindruck zu geben, finden Sie nachfolgend die häufigsten Wildkräuter und ihre wichtigsten Eigenschaften.

Brennnessel
Die jungen und zarten Blätter können für Tee, im Salat und in der Suppe verwendet oder wie Spinat gekocht werden. Als natürlicher Dünger unterstützt die Brennnessel Boden und Pflanzen aus der Umgebung. Sie sorgt für höhere Erträge und hält den Boden fruchtbar und gesund. Brennnesselextrakte helfen bei Gicht, Rheuma und Arthrose. Darüber hinaus gilt die Brennnessel als effektiver Blutdrucksenker.

Vogelmiere
Die Vogelmiere kann fast das ganze Jahr über geerntet und frisch für Tees, in der Suppe oder im Salat verwendet werden Das zarte grüne Kraut mit der kleinen weißen Blüte erinnert geschmacklich an jungen Mais. Die Vogelmiere ist reich an Vitamin A, Vitamin C, Schleimstoffen und Mineralien. Neben Kalium und Kieselsäure enthält sie Zink, Phosphor, Magnesium und Kupfer. Vor allem im Frühjahr reinigt sie den Körper, entschlackt die Lymphe, regt die Nierentätigkeit an und hilft beim Abnehmen.

Löwenzahn
Die zarten jungen Blätter schmecken herb-bitter wie Rucola und haben eine entgiftende Wirkung für die Leber. Löwenzahn steigert die Magensaftproduktion und ist äußerst förderlich für unsere Verdauung. Im Garten befördert Löwenzahn Mineralstoffe aus tieferen Regionen und steigert die Qualität des Bodens immens. Vermehrt auftretender Löwenzahn deutet auf eine schlechte Bodenqualität hin.

Giersch
Die Ausdauer und der Ausbreitungswille von Giersch bringen so manchen Gärtner zur Verzweiflung. Giersch eignet sich getrocknet als Tee und kann auch gut roh verzehrt werden. Junge Blätter schmecken nach Möhre und Petersilie. Sie bereichern den Salat oder passen zu Spinat. Giersch enthält viel Vitamin C und Mineralstoffe wie Eisen, Kupfer und Mangan. Er entsäuert den Körper und war als Heilpflanze gegen Gicht sehr geschätzt.

Spitzwegerich
Brennnesselspuren hören auf zu brennen, Insektenstiche schwellen nicht an und kleine Wunden heilen schneller wieder zu, wenn man die betroffenen Stellen sorgfältig mit dem Pflanzensaft von Spitzwegereich einreibt. Dazu werden frische Blätter in der Hand zerrieben, bis der Pflanzensaft heraustritt. Spitzwegerich ist eine bewährte Hustenpflanze. Als Tee, Saft oder Sirup löst sie den fest sitzenden Schleim, erleichtert das Abhusten und hemmt Entzündungen.
In Butter angebraten sind die jungen, zarten Blütenstände der Wegerich-Arten eine besondere Delikatesse.

Gundermann
Die herz- bis nierenförmigen Blätter mit dem eingekerbten Rand eignen sich für Salat und als Bestandteil von Kräutersuppen.

Anmerkung:
Die oben gemachten Angaben sind sorgfältig recherchiert und dienen zum Aufzeigen der Leistungsfähigkeit von Wildkräutern. Wildkräuter dürfen nur verwendet werden, wenn man sie eindeutig bestimmen kann und sich über ihre Wirkung kundig gemacht hat. Dafür ist jeder selbst verantwortlich. Der Autor übernimmt keine Verantwortung für die korrekte Bestimmung und Verwendung von Wildkräutern und deren Auswirkungen beim Verzehr.

Quellen
Wolf-Dieter Storl: „Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor“, Knaur, 2007
Peter Tompkins, Christopher Bird: „Die Geheimnisse der guten Erde“, Omega-Verlag, 1998
Jürgen Autenrieth u.a.: „Bärlauch Salbei Gundermann“, Silberburg-Verlag, 2010
Steffen Guido Fleischhauer: „Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen“, Verlagsgruppe Weltbild GmbH, 2010.

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