Glockenblumen

Am Wegesrand

Claras Licht

Claras Hof liegt in einer fernen Gegend in den Bergen etwas oberhalb des kleinen Dorfes. Von der hektischen Betriebsamkeit unten im Tal ist hier wenig zu spüren, die Uhren hier ticken anders. Wochenenden und Feiertage gibt es nach unserem Verständnis nicht, und selbst Heiligabend wollen die Tiere morgens und abens versorgt sein und die Kühe … Weiterlesen

Claras Hof liegt in einer fernen Gegend in den Bergen etwas oberhalb des kleinen Dorfes. Von der hektischen Betriebsamkeit unten im Tal ist hier wenig zu spüren, die Uhren hier ticken anders. Wochenenden und Feiertage gibt es nach unserem Verständnis nicht, und selbst Heiligabend wollen die Tiere morgens und abens versorgt sein und die Kühe gemolken werden. Das Leben hat seinen eigenen Takt, unerbittlich, aber erdverbunden und ruhiger. Da es nicht mit Wohkstandskrimskrams übertüncht ist, scheint es intensiver zu sein. Während wir Stadtmenschen praktisch unabhängig von Wetter und Jahreszeit geworden sind, prägen diese hier den Alltag.

Die Waren, die Clara erzeugt, sind von hoher Qualität, und man muss weit gehen, um vergleichbare zu finden. Butter, Quark, Käse und Yogurt stellt sie in kleinen Mengen selbst her und beliefert damit einen kleinen Kundenstamm. Marmeladen kocht sie für ihren Hausgebrauch und für ihre Gäste. Heidel- und Preiselbeeren kommen aus den umliegenden Wäldern, Himbeeren aus ihrem Garten.

 

Wenn ich unter dem Birnbaum an der Hausecke in der Sonne sitze habe ich das Gefühl, dem Paradies näher zu sein. Rechts neben mir, hinter dem wettergegerbten Holzzaun, beginnt der Bauerngarten mit seiner Fülle bunter Blumen und vielfältigem Gemüse. An seinem Zaun steht ein Schmetterlingsflieder, auf dem es von Schmetterlingen nur so wimmelt. Vom anderen Ende grüßt eine rote Stockrose herüber. Zu meiner Linken gleitet der Blick über ein weites Tal mit saftigen Wiesen, grünen Wäldern und einem Gebirgsstock, der auch im Sommer eine weiße Kappe bekommen kann.

 

Sobald Clara etwas Zeit hat, steht sie in ihrer Küche und bäckt Brot und Kuchen, mit denen sie ihre Gäste überrascht. Wie gut ihre Kuchen sind, brauche ich wohl nicht zu sagen, und dass ich keinen von ihnen missen will, wohl auch nicht.

 

Die Gespräche mit Clara sind intensiv und wohltuend, nicht nur ihrer Herzlichkeit wegen, die den Menschen in dieser Gegend angeboren zu sein scheint. Clara strahlt einen Optimismus aus, der motiviert, und ihre Heiterkeit scheint allen Stürmen standzuhalten. Dennoch weiss ich zu genau, dass Sorgen und Nöte zu jedem Leben gehören, und dass auch ihr Leben mit Auf und Abs, mit einfachen und schwierigen Phasen gekennzeichnet ist.

 

Halt findet Clara in ihrem Glauben. Allein dies zu spüren ist wie ein überspringender Funke und gibt Kraft und Zuversicht für den Alltag. Vielleicht ist dies auch die Quelle, aus der Clara ihre unermüdliche Kraft schöpft, Tag für Tag, Jahr für Jahr. –

 

Wenn ich an jemand Besonderen denke oder wenn ich einmal selbst eine kleine Auszeit brauche, zünde ich eine Kerze an, so wie ich es bei Clara gelernt habe.

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