Schneeglöckchen

Natur & Garten

Warten . . .

Wie motiviert sich ein passionierter Gärtner im Winter? Jetzt sind es die leisen Töne, die die Musik unseres Gärtnerlebens bestimmen. Bis Weihnachten und Neujahr gibt es meist eine Menge zu tun – aber nach den Feiertagen fängt sie an, die Zeit des Wartens.   Gebannt schaut man auf den Kalender – die Sonne geht täglich … Weiterlesen

Wie motiviert sich ein passionierter Gärtner im Winter? Jetzt sind es die leisen Töne, die die Musik unseres Gärtnerlebens bestimmen. Bis Weihnachten und Neujahr gibt es meist eine Menge zu tun – aber nach den Feiertagen fängt sie an, die Zeit des Wartens.

 

Gebannt schaut man auf den Kalender – die Sonne geht täglich eine Minute später unter! Bald schon merkt man, dass es später dunkelt. Hin und wieder landet der Katalog einer spezialisierten Gärtnerei im Briefkasten – man fängt an zu träumen, zu planen. Pflanzenlisten mit möglichen Ergänzungen für den eigentlich schon übervollen Garten werden geschrieben, Fotos im Internet betrachtet, Standorte recherchiert.


Und immer wieder zieht es einen in den Garten. Ist schon etwas zu sehen? Ja, hier und da spitzt schon ein vorwitziger Frühlingsblüher vorsichtig aus dem Boden. Das heimische Schneeglöckchen traut dem Frieden noch nicht – klugerweise. Aber ein paar vorwitzige Hybriden haben schon hoffnungsvoll ihre Glöckchen in den Wind gehängt. Öffnen werden sie ihre Blüten aber erst, wenn es trocken ist und die Temperatur auf ca. 10 Grad ansteigt, denn dann fliegen die ersten bestäubenden Wildbienen und Hummeln. Gebannt schaut der Gärtner auf den Wetterbericht – hoffentlich zerstören starke Barfröste nicht die ersten Vorfrühlingsboten!

 

Überhaupt – die Schneeglöckchen. Ihre Liebhaber, die Galanthophilen, haben jetzt ihre aufregendsten Wochen im Jahr. Jetzt erscheinen die neuen Listen der bekannten Produzenten von Galanthus und anderen exklusiven Geophyten (Zwiebelblühern) aus Deutschland, England, Holland, Belgien und Lettland. Sie werden genau geprüft und Bestellungen aufgegeben. In den einschlägigen Foren werden Fotos und Erfahrungen ausgetauscht. Und Ende Februar finden dann überall in Europa Schneeglöckchentage, Galanthus-Galas und Galanthouren statt. Dort sieht man dann Menschen, die sich über Ausstellungstische bücken und mit einem Zahnarztspiegelchen den zarten Blüten unter den Rock schauen – gibt es eine besondere Zeichnung? Ist das Schneeglöckchen womöglich deutlich gelb oder gar stark grün gezeichnet – vielleicht sogar auf den äußeren Blütenblättern? Dann wandern schon einmal diskret ein paar 100-Euroscheine über den Tisch und der Galantophile fährt glücklich mit einem ganz besonderen, blühenden Zwiebelchen nach Hause.

 

Im nächsten Frühjahr – wen wundert’s –pusselt er bei miesem Wetter jeden Tag im Garten herum, prüft, ob schon eine Triebspitze zu sehen ist. Oder sind es vielleicht schon zwei? Je mehr Schneeglöckchen-Sorten, Krokus-Arten aus der Mongolei oder Ähnliches der Liebhaber gesammelt hat, umso spannender sind die Monate Januar bis März. Das Warten wird zur süßen Beschäftigung, jede winzige Veränderung wird glücklich (oder auch nicht…) zur Kenntnis genommen, stundenlang kniet der Liebhaber im Matsch, um mit der Kamera Makro-Aufnahmen zu machen.

 

Man sieht – der Winter muss nicht langweilig und trostlos sein! Jetzt liegt das Glück des Gärtners in den kleinen Dingen.

 

Januar 2014
www.repnowell.com

Weitere Beiträge
Holzbiene im Garten

Gärtnern gegen das Insektensterben

Autor: Jan Geißler Esslingen-Rüdern: NABU möchte mit einem Projekt die biologische Vielfalt fördern – Michael Eppinger hat es umgesetzt Auf einmal ist ein leises Brummenzu hören. Für einen kurzen Moment wird die Ruhe, die im Garten von Michael Eppinger in Esslingen-Rüdern herrscht, gestört. Dann ist es wieder still. Eine Hummel? Fehlanzeige. „Da, schauen Sie!“, ruft … Weiterlesen

Frauenschuh

Orchideen pflegen

Orchideen üben seit jeher einen besonderen Reiz auf mich aus. Woher dieser Reiz kommt, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vielleicht, weil sie den Reiz des Fernen und Unbekannten verkörpern, vielleicht, weil sie nicht so einfach erhältlich waren, vielleicht, weil die Pflege anspruchsvoll ist und vielleicht, weil die Blüten zart, exotisch und grazil sind. … Weiterlesen