Frauenschuh

Natur & Garten

Orchideen pflegen

Orchideen üben seit jeher einen besonderen Reiz auf mich aus. Woher dieser Reiz kommt, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vielleicht, weil sie den Reiz des Fernen und Unbekannten verkörpern, vielleicht, weil sie nicht so einfach erhältlich waren, vielleicht, weil die Pflege anspruchsvoll ist und vielleicht, weil die Blüten zart, exotisch und grazil sind. … Weiterlesen

Orchideen üben seit jeher einen besonderen Reiz auf mich aus. Woher dieser Reiz kommt, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vielleicht, weil sie den Reiz des Fernen und Unbekannten verkörpern, vielleicht, weil sie nicht so einfach erhältlich waren, vielleicht, weil die Pflege anspruchsvoll ist und vielleicht, weil die Blüten zart, exotisch und grazil sind. Im Grunde ist es unerheblich, warum sie mich so faszinierten. Über die Jahre habe ich mich intensiv mit ihnen beschäftigt. Ich habe viel ausprobiert und konnte umfangreiche Erfahrungen sammeln. Heute beschränke ich mich auf die Pflege von Orchideen aus dem temperierten und warmen Bereich, die mit einem Platz auf der Fensterbank zufrieden sind. Dazu gehören zum einen Phalaenopsis-Hybriden, die als Mitbringsel zu uns ins Haus kamen und mit der Zeit unsere Fensterbänke füllten. Diese stehen an Fenstern mit Nordost oder Ostausrichtung und bleiben ganzjährig im Haus. Mit diesem Standort kommt auch Cattleya aurantiaca gut klar. Frauenschuhe, Coelogine cristata, Odontoglossum citrosmum, Odontoglossum pulchellum, Cymbidien und Orchideen der Rossioglossum-Gruppe pflege ich im Winterhalbjahr im sonnigen Wintergarten bei etwa 17° C. Das Sommerhalbjahr verbringen sie im Freien, unter einem Vordach halbschattig und schneckensicher aufgehängt. Orchideen sind ein Leckerbissen für Schnecken, die über Nacht Neutriebe vernichten können.
Viele meiner Orchideen pflege ich schon seit Jahrzehnten. Die älteste, ein Paphiopedilum insigne, ist etwa 40 Jahre alt.

Orchideen gießen

Wann und wie oft Orchideen gegossen werden sollten, hängt von ihrer Herkunft ab. So benötigen z.B. Pflanzen aus den Monsungebieten eine Trockenperiode, in der sie teilweise sogar ihre Blätter verlieren und Blüten induzieren. Danach folgt eine Feuchtperiode, in der sie blühen und neue Jahrestriebe schieben. Andere, wie zum Beispiel Phalaenopsis und Rossioglossum, werden das ganze Jahr über mit Wasser versorgt.

Orchideen mögen keine Staunässe. Diese lässt Wurzeln faulen und führt oft zum Absterben der ganzen Pflanze.

Ich gieße meine Orchideen, die im Haus untergebracht sind, einmal in der Woche. Sie bekommen gerade so viel Wasser, dass überschüssiges Gießwassers nicht länger als etwa zwei Tage im Übertopf steht und dass das Substrat bis zum nächsten Gießen leicht angetrocknet ist. Wenn beim nächsten Gießen noch Wasser im Übertopf steht, schütte ich dieses weg und setze mit dem Gießen für eine Woche aus. Auf diese Weise habe ich mit der Zeit ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Gießwasser welche Pflanze benötigt.

Gelegentlich tauche ich meine Orchideen für etwa eine Stunde. Dazu setze ich sie in einen Eimer, der so hoch mit Wasser gefüllt ist, dass der Pflanztopf mit Wasser bedeckt ist. In dieser Zeit kann sich das Substrat vollsaugen und es können die im Substrat angesammelten Stoffe ausgespült werden.

Pflanzen, die den Sommer über im Garten untergebracht sind, gieße ich etwa 2-mal in der Woche, da die Töpfe ohne Übertopf aufgehängt sind und das Wasser sofort ablaufen kann.

Damit der Spross nicht ausfault, sollte kein Wasser im Spross oder in den Blattachseln stehen bleiben. Ein Jahrestrieb kann auf diese Weise über Nacht verloren gehen.

Zum Gießen verwende ich vorwiegend Leitungswasser, das bei uns einen Härtegrad von 11° dH aufweist. Vorteilhafter wäre sicherlich Regenwasser, das ich allerdings nur zum Gießen im Garten verwende.

Orchideen düngen

Was ich in meinem Beitrag „Gesunder Boden als Grundlage gesunden Lebens“ über die Ernährung von Pflanzen beschrieben habe, gilt auch für Orchideen. Für eine umfassende Ernährung sind Nährsalze alleine nicht ausreichend. Eine gesunde Ernährung besteht vielmehr auch aus Zellbestandteilen, die bei der Zersetzung von organischem Material entstehen und die von den Pflanzen direkt aufgenommen werden können. Darüber hinaus benötigen Orchideen eine Vielzahl von Mikronährstoffen (Spurenelementen).

Meine Orchideen gieße ich einmal in der Woche, wobei ich dem Gießwasser im wöchentlichen Wechsel entweder 1 Tropfen Baldrianblütenextrakt je Liter Gießwasser und etwas Huminsäure oder einen organischen Flüssigdünger zusetze. Den organischen Flüssigdünger dosiere ich mit der Hälfte der angegebenen Konzentration. Gute Erfahrungen habe ich hierbei mit den Produkten der Firma Mack bio-agrar GmbH gemacht.
Zur Versorgung mit Mikronährstoffen verwende ich Urgesteinsmehle, die ich ab und zu dem Gießwasser zusetze. Diese sind allerdings nicht einfach zu vergießen, da sie sich relativ schnell absetzen.
Zur Versorgung meiner Orchideen mit frischer organischer Substanz setze ich dem Gießwasser etwa alle zwei Monate frisch pürierte Blätter von Wildkräutern, wie z.B. Löwenzahn, Wegerich oder Günzel zu. Die pürierten Blätter dosiere ich dabei sehr vorsichtig (etwa 5 Blättchen je 10l Gießwasser).

Kunden berichteten mir von guten Erfolgen mit meinem Biodünger, den sie – vorsichtig dosiert – oben in den Topf einstreuten. Ich selbst bin gerade dabei, diesbezüglich Versuche zu machen.

Orchideen umtopfen

Das Umtopfen von Orchideen ist für mich ein heikles Thema, da die Saugwurzeln meist fest an der Topfwand haften und beim Entnehmen der Pflanze beschädigt werden. Deshalb topfe ich nur um, wenn die Neutriebe im Topf keinen Platz mehr haben oder das Substrat stark zersetzt. Ein guter Zeitpunkt zum Umtopfen ist dabei zu Beginn des Wachstums nach der Ruhezeit bzw. wenn die Pflanzen anfangen, neue Wurzeln zu bilden.

Zur Reduzierung der Verdunstung verwende ich Kunststofftöpfe, als Substrat Rinden in verschiedenen Körnungen. Feines Substrat eignet sich dabei für Orchideen mit feinen Wurzeln und für bodenbewohnende Orchideen wie Frauenschuhe, gröberes Substrat für Orchideen mit fleischigeren Wurzeln, wie z.B. Phalaenopsis oder Cymbidium.
Der Pflanztopf sollte der Größe der Pflanze entsprechen und nicht zu groß gewählt werden, damit die Pflanze die Feuchtigkeit zügig verbrauchen und es damit zu keiner Staunässe kommen kann.

Pflanzen teile ich nur ungerne, weil mir die Teilstücke immer wieder schlecht anwuchsen und über Jahre kümmerten.

Meine Orchideen bereiten mir viel Freude und beschenken mich jedes Jahr von Neuem mit ihrem Blütenreichtum.

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